Am 18. August 2009 war in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein bemerkenswerter Brief an die Herausgeber zu lesen. Leider wurden zwei dem Autor wichtige Abschnitte von der Redaktion weggelassen. Was immer die Gründe, möglicherweise erschien der Beitrag zu lang, hier sei der gesamte Leserbrief präsentiert mit Hervorhebung der entfallenen Abschnitte.
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Zu „Einen großen Schritt weiter“ von Uta Rasche (F.A.Z. vom 10. August):
Ich muss mich immer wieder darüber wundern, wie auch ihre Autoren beim Thema Ausländerintegration zu optimistischen Einschätzungen kommen, ohne dass die Faktenlage dies auch nur ansatzweise rechtfertigen würde. Der Leitartikel von Uta Rasche ist ein Beispiel dafür. Frau Rasches Schlussfolgerungen wirken geradezu paradox, da die Fakten ja im Kommentar selbst genannt werden: Ausländer haben meist niedrige oder nicht vorhandene Bildungsabschlüsse, sie sind doppelt so häufig arbeitslos und kriminell, sie schotten sich in Parallelgesellschaften ab und so weiter und so fort. Und welches Fazit zieht Frau Rasche aus diesen Fakten? Dass Deutschland – wie der Titel schon sagt – „einen großen Schritt weiter“ vorangekommen sei.
Es ist natürlich richtig, dass die Regierung in den vergangenen vier Jahren nicht mit „Gesten des Entgegenkommens“ sparte und die Muslime sich angesichts so viel staatlicher Schmeichelei aufgewertet fühlen. Es werden, so wie Frau Rasche es fordert, schon jetzt in vielen Berufen – z.B. bei der Polizei – bevorzugt Bewerber mit Migrationshintergrund eingestellt. Und in der Tat wird und wurde besonders viel dafür getan, dass der Islam als Religion in Deutschland gefördert wird, sei es durch finanzielle und politische Unterstützung beim Bau von Moscheen, bei der Einführung islamischen Religionsunterrichts und theologischer Fakultäten oder durch die zahlreichen islamfreundlichen Reden und Stellungnahmen unserer Politiker und Journalisten.
Es stimmt aber eben nicht, dass diese Maßnahmen, wenn man sie denn so nennen will, bislang nachweisbare positive Ergebnisse zur Folge gehabt hätten. Die ebenfalls im Kommentar aufgezählten „Erfolgsmeldungen“ des Bundesinnenministeriums sind, sofern sie überhaupt stimmen, keine Vergleichsdaten – sie lassen also überhaupt keine Rückschlüsse auf Entwicklungen zu. Außerdem sind sie äußerst verhalten, drücken größtenteils nur nebensächliche Selbstverständlichkeiten aus und klingen meines Erachtens auch nicht durchweg positiv. Beispielsweise weiß ich nicht, warum es ein Grund zum Feiern sein soll, dass 86 Prozent der Muslime nach diesen Daten religiös sind.
Ein wesentlicher Fehler unserer Politiker und Ihres Artikels liegt darin, dass man meint, Weltanschauungen und Überzeugungen einfach aushandeln zu können. Eine Konferenz ist eigentlich für die deutsche Seite vollkommen ergebnislos, wenn man auf ihr lediglich aushandelt, dass Deutschland den Muslimen vielfältige Rechte, finanzielle Mittel und Privilegien zugesteht, und die Muslime als Gegenleistung unsere Rechts- und Werteordnung anerkennen und religiöse Toleranz üben.
Können Millionen Muslime denn auf so einer lächerlichen Basis plötzlich entscheiden, dass sie von heute auf morgen ein ganz anderes Frauenbild haben, den Koran und die Scharia als rechtlichen Leitfaden nicht mehr Ernst nehmen und religiöse Vorstellungen einfach über den Haufen werfen? Und das alles nur, weil ein Christdemokrat glaubt, es so mit ein paar Vertretern ausgehandelt zu haben, die ohnehin nur sehr bedingt repräsentativ für die Mehrheit der Muslime sprechen können und die für ihre unverbindlichen und vage formulierten „Zusagen“ außerdem mit vielfältigen Zugeständnissen bestochen wurden?
Okay, es gibt auch „konkrete“ Zugeständnisse von muslimischer Seite. Beispielsweise, dass Mädchen unter 14 kein Kopftuch tragen und an Klassenfahrten teilnehmen sollen. Ich bin beeindruckt.
Carl Lang, Wiesbaden
hier die entfallenen Abschnitte:
Frau Rasche geht davon aus, dass „gegenseitiger Respekt der Schlüssel zum Erfolg in der Integrationspolitik ist“. Sie kann das freilich nicht beweisen. Selbst wenn es stimmen sollte, glaube ich aber nicht, dass wir für das Ausblenden der Probleme, die der Islam als Religion objektiv gesehen in sich birgt, Respekt ernten werden. Ich glaube nicht, dass Deutschland sich durch immer weitere Zugeständnisse und mehr oder weniger einseitiges Entgegenkommen bei den Muslimen Respekt verschafft. Schließlich verteidigt sich die Türkei im Gegensatz zu Deutschland ganz entschieden gegen jeden Kulturimperialismus, was von den Türken hierzulande viel eher als respektable Position angesehen wird. Ich glaube noch viel weniger, dass diese Maßnahmen zur Integration beitragen werden. Eher machen wir es den Muslimen noch leichter, zum Schaden der gesamten Gesellschaft ihre kulturellen Enklaven zu pflegen und sich in Ghettos und Moscheen vor der Mehrheitskultur zu verbarrikadieren.
Notwendig wären klare und wesentlich weiter reichende Forderungen von Seiten der Mehrheitsgesellschaft. Notwendig wären eindeutige Regeln, deren Einhaltung überprüft werden kann. Verstöße sollten nicht zu neuen Diskussionen und sogenannten Integrationsmaßnahmen führen, sondern einfach mit der Aufhebung des Bleiberechts geahndet werden. Notwendig wäre darüber hinaus, dass man aus den vorhandenen Fakten einfach mal die logischen und folgerichtigen Konsequenzen zieht: Muslimische Zuwanderer haben das größte Problempotential und sie sind am schwersten zu integrieren. Also stellt der Islam für uns als Gesellschaft – anders als Schäuble behauptet – selbstverständlich ein Problem und keine Bereicherung dar. Diesem Problem kann man wirksam nur dadurch begegnen, dass man die Zahl der hier lebenden muslimischen Migranten so weit wie möglich reduziert (vor allem durch Ausweisung integrationsunwilliger Muslime) oder zumindest eine weitere Zuwanderung verhindert. Bei den verbleibenden Migranten gilt es nicht, den Islam, seine Pflege und seine Ausbreitung und damit die Desintegration der Zugewanderten zu unterstützten, sondern stattdessen unsere Werte und Lebensart mit derselben Selbstverständlichkeit zu verteidigen, wie z.B. die Türkei das tut. Man wird einen Flächenbrand nicht löschen, in dem man dem Feuer mehr Bäume verspricht und auf seine Dankbarkeit baut. Mit diesem in Wirklichkeit gar nicht so neuen Ansatz fallen wir – so wie es die Fakten belegen – höchstens einen großen Schritt zurück.
Heute erleben wir in Deutschland eine Zeitepoche des geistigen Umbruchs, in der viele durch Jahrhunderte gewachsene christlich-abendländische Grundwerte rapide verfallen. In dieses geistige Vakuum drängt der neu erwachte Islam mit anderen Wertvorstellungen, einem anderen Gottesbild und Seinsverständnis mit aller Macht hinein.
Der Rückgang der genuin deutschen Bevölkerung schafft eine demographisches Situation, die von den Muslimen als Geschenk Allahs und als Chance zur Islamisierung verstanden wird. Extrapoliert man die Wachstumstendenz der Muslime in die Zukunft, so zeigt sich eine quantitative Gleichstellung mit der nichtmuslimischen Bevölkerung schon in wenigen Jahrzehnten.
Die neuen Werte, die mit den Begriffen Koran, Sunna und Scharia in Verbindung gebracht werden, sollen die Basis für eine Neuorientierung und Neuordnung des Staates schaffen.
Für alle gläubigen Muslime, die sich als Statthalter Allahs auf Erden verstehen, ist es heilige Pflicht, sich für die Durchsetzung von Allahs Willen, wie er im Koran offenbart ist, zu mühen, bis „Frieden auf Erden“ herrscht, das heißt, alle Menschen unter dem Gesetz Allahs leben.
Unter dem Aspekt, „dem Gesetz Allahs (der Scharia) unter allen Völkern Geltung zu verschaffen“, wie sich Ayyub Axel Köhler ausdrückt, muss man das Problem der verhinderten Integration in Deutschland letztlich betrachten.
Ohne jeden Zweifel ist für einen gläubigen Moslem die Scharia unvereinbar mit der westlichen Demokratie und den allgemeinen Menscherechten, und seine Einbindung in die Welt des Unglaubens ein Verrat an der Sache Allahs.
Deswegen besteht für eine islamische Minderheit grundsätzlich die religiöse Verpflichtung, sich aus dem offenkundig unislamischen gesellschaftlichen Umfeld zurückzuziehen, um dem schlechten Einfluss der vermeintlich korrupten Gedanken und Zustände dieses politischen Systems zu entgehen. Die geistige und soziale Isolierung schließt aber auch den Rückzug der gläubigen Muslime in die reine Umgebung einer Moschee mit ein, wo alles geboten wird, was ein autonomes Dasein ohne Integration im Umfeld des Unglaubens ermöglicht.
Integration heißt für fromme Muslime nicht Auseinandersetzung und kulturelle Korrespondenz mit den Gegebenheiten des aufnehmenden Landes, sondern Absonderung und heute schon Begegnung auf halbem Weg.
Später dann, bei wachsender Geburtenrate und weiterem Import junger Frauen aus Anatolien, erfolgt die „hidjra“, der Durchbruch zur islamischen Dominanz und die vollständige Durchdringung aller kulturellen Lebensbereiche nach altbewährtem Muster des „Medina-Modells“.
Ermöglicht wird das alles kurioserweise auf ganz legalem Wege mit Hilfe der Demokratie selbst, die implizit die Gesetzlichkeit enthält, nach der man sie, unter Ausnutzung der rechtlichen und demographischen Situation, abschaffen kann. Ziel und Zweck aller Bemühungen und Maßnahmen ist und bleibt die Errichtung einer göttlich legitimierten Herrschaft, unter Annullierung der säkularen, der Scharia widersprechenden Gesetzgebung, und der abschließenden Unterordnung aller Ungläubigen unter das Gesetz des neu geprägten Staates.
Die Integration ist gescheitert, aber sie bekommt einen neuen Sinngehalt: Integration heißt für gläubige Muslime auf lange Sicht, dass sich die Ungläubigen an die neu geschaffenen Zustände anzupassen haben. Die Islamisierung eines Staates nach diesem Schema ist nur ein Meilenstein auf dem von Ayyub Axel Köhler erwähnten Weg der
„Verbreitung der islamischen Weltordnung“.
Ziel bleibt die Welteroberung und Weltbeherrschung.